Montag, 20. Juli 2015

PROMS 2015: Ein Konzertabend voller Emotionen


Foto: Jasmin Hernandez-Hügel
Erfrischend anders bei hochsommerlichen Temperaturen. So lässt sich die PROMS 2015 in aller Kürze zusammenfassen. In jeder Hinsicht außergewöhnlich war der Abend im Karlsruher Konzerthaus aber auf jeden Fall.

Das lag schon an der Zahl der Beteiligten: Mit dem Sinfonieorchester der DHBW Karlsruhe, proVocal Münzesheim, dem Badischen JugendChor, Solistinnen der Hochschule für Musik Karlsruhe und einem extra zusammengestellten Männerchor bevölkerten knapp 200 Instrumentalisten und Sänger/-innen in verschiedenen Kombinationen die Bühne – souverän zusammengehalten von Matthias Böhringers inspiriertem, dynamischen Dirigat.

Die musikalische Reise ging dieses Mal von „Händel bis Hollywood“. Mit dem als „Champions-League-Hymne“ bekannten „Zadok the Priest“ von Händel setzen Chor und Orchester im präzisen Zusammenspiel einen strahlend-feierlichen Auftakt zu einem Abend der Kontraste. Diese zeigten sich gleich anschließend in Elgars zarter Gedichtvertonung „Fly Singing Bird“ und in den elegischen Klängen von „Nimrod“. Bei beiden Stücken wussten die Frauenstimmen und das Orchester mit großer Intensität und Hingabe zu berühren.

Im folgenden Opernblock übernahm zunächst die Sopranistin Simone Hirsch die Bühne und verwandelte das Konzerthaus vom ersten Ton an in die „heilige Halle“, von der sie in ihrer Arie sang. Rauschender Beifall belohnte die kraftvolle, mitreißende Darbietung aus Wagners „Tannhäuser“. Anschließend stand das Orchester im Rampenlicht und steigerte sich bei der Bacchanale aus Saint-Saens’ „Samson et Dalila“ in einen Spielrausch, der das Publikum von den Sitzen riss. Eine völlig entgegengesetzte Stimmung legte sich daraufhin bei der Barcarole „Schöne Nacht, du Liebesnacht“ aus Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ über den Saal. Simone Hirsch und Clara-Sophie Bertram ließen ihren herrlichen Sopranstimmen im Duett freien Lauf und die im ganzen Raum verteilten Sänger und Sängerinnen sorgten für das perfekte Ambiente einer lauen Sommernacht.

Musikalische Kontraste in ihrer gesamten Breite hielt dann das letzte Stück im ersten Konzertteil bereit. Zu Joseph Martins „The Awakening“ kam der Männerchor mit dem Orchester zu seinem großen Auftritt und bewältigte souverän die emotionalen Extreme zwischen äußerster Verzweiflung und strahlender Lebensbejahung durch die Kraft der Musik.

Auch die zweite Konzerthälfte startete monumental. In ausdrucksstarkem Zusammenspiel zeigten Chor und Orchester, weshalb Orffs „O Fortuna“ zu den bekanntesten und beliebtesten Klassikstücken überhaupt zählt. Eine völlig andere Welt bot sich daraufhin in der „Conga del Fuego“ von Arturo Márquez. Hier entfachte das Orchester das nötige rhythmische Feuer und trug auch die mit einem Schuss Wehmut versehenen tänzerischen Passagen mitreißend in die Reihen des Publikums.

Den Reigen mit Filmmusik eröffnete die „Casablanca Suite“ von Max Steiner. Die überaus delikat komponierte Musik des Filmklassikers wurde vom Orchester stimmungsvoll dargeboten und verwandelte das Konzerthaus für einige Minuten in „Ricks Café“ mit all seinen Dramen und Erinnerungen.

Ein echte Rarität setzte die musikalische Reise fort, denn mit „They’ll remember you“ aus dem Film „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“ stand ein Stück auf dem Programm, das bislang nur für den Film selbst eingespielt wurde und nicht in Notenform erhältlich ist. Das Orchester hatte die Aufführungserlaubnis direkt von den Komponisten Lior Rosner und John Ottman eingeholt und bot die ergreifende Vertonung von Goethes „Wandrers Nachtlied“ mit höchster Intensität dar, flankiert vom Chor und der Solistin Simone Hirsch.

Kontrastreicher Breitwand-Sound in bester Hollywood-Manier war danach bei „Star Trek: Into Darkness“ an der Reihe, bevor erneut Simone Hirsch die Bühne gehörte. Nach einer an Intensität nicht zu überbietenden Darbietung von „Skyfall“ aus dem gleichnamigen James-Bond-Film lag ihr das Publikum zu Füßen.

Die letzten Programmpunkte gehörten einmal mehr der Abteilung Rhythmus. Bei „It had better be tonight“ aus dem Film „Der rosarote Panther“ zauberten Chor und Orchester unwiderstehliche Sambastimmung in den Saal, bevor die rhythmischen Verschachtelungen im Mambo aus Bernsteins „West Side Story“ nicht weniger mitreißend wirkten. Ein originelles Arrangement des Rockklassikers „Twist and Shout“ beendete das offizielle Programm. Die stürmisch geforderte Zugabe sorgte noch einmal für Gänsehautatmosphäre: Mit dem Musical-Klassiker „You’ll never walk alone“ führten alle Beteiligten die PROMS 2015 zu einem würdigen Ende.

Die rund 1000 Besucher feierten die Reise von „Händel bis Hollywood“ mit minutenlangem Beifall. Wie sehr die Programmmacher mit dem facettenreichen PROMS-Konzept erneut ins Schwarze getroffen hatten, zeigte sich schon im Vorfeld: Schon lange vor dem ersten Ton war das Konzert ausverkauft - bereits im Januar gab es keine Karten mehr.

Alle, die an diesem Abend dabei sein konnten, wurden sicher nicht enttäuscht, und alle Freunde ausgefallener Konzerterlebnisse sollten sich schon jetzt den 16. Juli 2016 vormerken, wenn die 3. Karlsruher PROMS ins Konzerthaus ruft.

Freitag, 3. Juli 2015

Programmheft 2. Karlsruher Proms

Ausführliche Informationen zum gespielten Proms-Programm 2015: Wer nicht bis zum Konzerttag warten möchte, kann das Programmheft hier vorab online anschauen.

Programmheft 2015: Von Händel bis Hollywood