Donnerstag, 25. Mai 2017

Atemlose Stille: Sinfonieorchester an der DHBW Karlsruhe mit Reformationskonzert in der Emmauskirche


Aufbruch – Wege in die Zukunft. Unter diesem Motto stand das Konzert am Himmelfahrtstag in der Emmauskirche Karlsruhe – Waldstadt. Das Sinfonieorchester an der DHBW Karlsruhe und der gemischte Chor proVocal aus Münzesheim unter der Leitung von Matthias Böhringer leisteten einen musikalischen Beitrag nicht nur zum Reformationsjahr, der niemanden in der fast voll besetzten Kirche unberührt ließ.

Den Auftakt bildete das „Misericordias Domini“ von W.A.Mozart, KV 222. Der Gesang von der göttlichen Barmherzigkeit erklang in immer neuen Variationen und setze gleich den Maßstab in puncto Intensität, die im Laufe des Abends immer weiter zunahm. Im Anschluss sang der Chor die Motette „Herr, auf dich traue ich“ von Heinrich Schütz, dessen „Geistliche Chormusik“ von 1648 die evangelische Kirchenmusik entscheidend geprägt hat.
Felix Mendelssohn Bartholdys Vertonung des Psalm 43 „Richte mich Gott“ hatte ebenfalls das Vertrauen in die göttliche Gnade zum Thema und erklang an diesem Ort in besonders würdigem Rahmen.
Das Sinfonieorchester widmete sich anschließend der so genannten „Reformationssinfonie“ von Mendelssohn. Das Stück zeichnet sich durch extreme Stimmungsänderungen aus, die den Musizierenden alles an Konzentration und Hingabe abverlangten, bis sich die Musik im strahlenden Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ ihre Bahn bricht.

Anschließend war der verfügbare Platz vor und um den Altar bis zum letzten Zentimeter besetzt, denn Chor und Orchester taten sich zu „Toward the unknown Region“ des englischen Komponisten Ralph Vaughan Williams zusammen. Das Stück ist die Vertonung eines Gedichts von Walt Whitman, das den Menschen im Angesicht des Unbekannten zum Thema hat und sein Vorwärtstasten musikalisch illustriert, wobei die spezielle Tonsprache in monumentalen Klangkaskaden mündet. Niemand im Publikum konnte sich der Wucht und Wirkung dieses ungewöhnlichen Stückes entziehen.

Mit dem Lutherchoral „Verleih uns Frieden“ in der Bearbeitung von Mendelssohn endete ein denkwürdiger Abend, bei dem der Chor, das „Andere Orchester“ und Matthias Böhringer als musikalischer Leiter beider Ensembles wieder einmal eindrucksvoll zeigten, wozu auch Laienensembles fähig sein können.